Heinrich Grunholzer (1819 – 1873) wuchs in Trogen, Appenzell Ausserrhoden und in Oltingen, Basel Landschaft auf. Er bildete sich am neu gegründeten Seminar Küsnacht ZH zum Primarlehrer aus und in Genf zum Sekundarlehrer weiter. Während seines Aufenthalts in Genf war er an Vorarbeiten zur Gründung des Grütlivereins beteiligt. 1838 wurde er Sekundarlehrer in Bauma und engagierte sich stark für die Errungenschaften der radikal-liberalen Verfassung und gegen die konservative Zürcher Regierung, die mit dem «Züriputsch» von 1839 an die Macht gekommen war.

1842 nahm er Urlaub und studierte in Berlin. Er kam in Kontakt zu massgebenden Persönlichkeiten der Zeit, unter anderen ermunterte ihn Bettina von Arnim, die Armenfrage zu studieren. Seine Beobachtungen in den Armenhäusern der Berliner Vorstadt beschrieb Grunholzer in einem der ersten Sozialreports in deutscher Sprache, welche unter dem Titel «Berichte eines jungen Schweizers aus dem Vogtlande» als Anhang zu Bettina von Arnims «Dieses Buch gehört dem König» erschien.

Zurück in Bauma war Grunholzer weiterhin auch politisch tätig, wirkte als Redaktor beim liberalen Schulboten und beteiligte sich an einem Freischarenzug. 1847 berief der radikal-liberale Berner Grosse Rat Grunholzer zum Seminardirektor in Münchenbuchsee. Diese Tätigkeit sah Grunholzer auch nachträglich als Höhepunkt seines beruflichen Lebens. Nach einer konservativen Wende wurde er 1852 aber entlassen.

1849 hatte Grunholzer die Tochter des Fabrikanten Hans Heinrich Zangger kennengelernt, die beiden heirateten kurz vor Grunholzers Abberufung in Münchenbuchsee. Das Paar zog zurück nach Uster und lebte dann in Hottingen und Fluntern. Grunholzer versuchte, in Küsnacht oder in Kreuzlingen wieder Seminardirektor zu werden, seine Hoffnungen zerschlugen sich jedoch. Bei der Lehrerschaft nach wie vor sehr beliebt, wurde er dafür in den Vorstand der Schulsynode und in den Erziehungsrat gewählt. 1854 erfolgte seine Wahl in den Grossen Rat, wo er die äussere Linke verstärkte. Seine berufliche Tätigkeit als Lehrer an der Industrieschule empfand Grunholzer jedoch als nicht befriedigend, weshalb die mittlerweile vierköpfige Familie 1858 nach Uster zog, wo Heinrich Grunholzer in das Spinnereiunternehmen seines Schwiegervaters eintrat.

Die Familie Grunholzer lebte nicht in der Villa an der Florastrasse, sondern im «Zangger-Haus», später «Grunholzer-Haus» genannt, an der Zürichstrasse 1, dem Stammhaus der Familie.

Grunholzer erhielt rasch das Bürgerrecht von Uster und engagierte sich stark im Dorfleben. Er war u.a. Präsident der Sekundarschulpflege, Präsident der Schützengesellschaft, Mitglied des gemischten Chores und des Lesevereins. Als Nachfolger seines Schwiegervaters Hans Heinrich Zangger wurde Grunholzer 1863 auch in den Nationalrat gewählt. Die demokratische Protestbewegung, die sich gegen die Machtfülle der «gouvernementalen Liberalen» um Alfred Escher richtete, zu denen auch Grunholzer gezählt wurde, führte 1869 zu einer neuen direktdemokratischen Verfassung und zur Abwahl sehr vieler Liberaler. Grunholzer war zwar noch in den Verfassungsrat gewählt worden, verlor aber seine Mandate im Grossen Rat und Nationalrat.

In seinen letzten Jahren war Heinrich Grunholzer weiterhin im Textilunternehmen tätig und übernahm Aufgaben bei der Internierung von Soldaten der Bourbaki-Armee in Uster. Er hatte aber immer stärker mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen und starb 1873 an einer Unterleibsentzündung. Seine Frau Rosette Grunholzer-Zangger (1829-1881) und die Töchter Rosa Ritter-Grunholzer (1853-1923), Luisa Grunholzer (1855-1907) und Klara Grunholzer (1861-1921) blieben lange Zeit prägende Persönlichkeiten für die Ustermer Kultur.

Bilder: Stadtarchiv und Kläui-Bibliothek Uster, Denkmalpflege

Zürichstrasse 1, das Stammhaus der Familie Zangger, ca. 1890

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