Die Villa um die Jahrhundertwende (ca. 1892, Foto Julius Gujer)

Der Ustermer Textilfabrikant Hans Heinrich Zangger liess im Jahre 1847 neben seiner zweiten Baumwollspinnerei am Aabach eine Fabrikantenvilla bauen. Der Architekt ist nicht namentlich bekannt, stammt aber wohl aus dem Umkreis des bekannten Zürcher Architekten Wilhelm Waser. Das Haus diente bald der Familie seiner ältesten Tochter Anna Babette und seines Schwiegersohns Johann Caspar Gujer als Wohnsitz. Der Neu-Renaissance-Bau an Usters wichtiger Ost-West-Achse besticht durch seine aufwändige Pilastergliederung, seinen repräsentativen Eingang, die dreifachen Rundbogenfenster in der Bel-Etage, einem hübschen Park und dem 1855 erstellten Ökonomiegebäude (Waschhaus). Als Hans Heinrich Zangger sich vom Geschäft zurückzog, führten seine Schwiegersöhne Johann Caspar Gujer und Heinrich Grunholzer das Spinnereiunternehmen weiter. 1883 übernahm der Sohn Johann Caspar Gujers, Julius Gujer die Leitung. Julius Gujer wohnte mit seiner Familie in der Villa an der Florastrasse. Die Villa wurde zusammen mit dem Stammhaus an der Sternenkreuzung (Zürichstrasse 1) aber weiterhin von der ganzen Zangger-Familie genutzt. So wohnte Rosa, die älteste Tochter von Rosette Grunholzer-Zangger und Heinrich Grunholzer, nach ihrer Heirat mit dem Arzt Jakob Ritter eine Zeit lang an der Florastrasse, hier wurde auch ihr Sohn, der spätere Kapellmeister Heinrich Ritter geboren. 1917 verkaufte Julius Gujer das Textilunternehmen und die Villa an Balthasar Trüb und Hubert Wengle. 1920 wurde der seitliche Anbau mit der markanten Terrasse angefügt. Die von Balthasar Trüb geprägte Firma (Trüb & Co, u.a.) behielt unter wechselndem Namen und mit wechselnden Teilhabern Domizil und Kontor an der Florastrasse 18. Trüb selbst baute sich etwas ausserhalb die Villa Rehbühl. Sie steht am heutigen Balthasar-Trüb-Weg. Der Fabrik an der Florastrasse wurde eine Zwirnerei angegliedert und vor dem zweiten Weltkrieg begann man damit, auch Wollmischgarne (z.B. «Lancofil») zu produzieren. Ab 1931 wirkte in der Villa mit Ida Hegglin – wenige Jahrzehnte zuvor kaum denkbar – eine Frau als Prokuristin.

1968 wurde der Spinnereibetrieb eingestellt. Die Villa, damals unter dem Namen «Villa Trüb» bekannt, wurde 1974 unter Denkmalschutz gestellt. 1996 konnte sie von Martha Ritter-Hürlimann, der Frau des Urenkels des Erbauers erworben werden. Ihre Erben brachten die Villa dann in die «Stiftung Ritter-Hürlimann» ein, benannten sie nach Heinrich Grunholzer und machten sie zu einem Kulturhaus.

 

Die Grunholzer-Stube

Der Stammsitz der Familie, ein prächtiges Haus an der Zürichstrasse, nach seinen Bewohnern zuerst Zangger-Haus, dann Grunholzer-Haus und schliesslich Ritter-Haus genannt, blieb auch nach Verkauf des Unternehmens im Besitz der Familie. Es musste 1971 dem Autoverkehr und dem Zentrum «Uster 77» weichen. Das biedermeierliche Wohnzimmer der Familie Grunzolzer-Zangger wurde ab 1996 mit den Originaleinrichtungsgegenständen an der Florastrasse 18 wieder eingebaut, die nun den Namen «Villa Grunholzer» erhielt. Die Platzverhältnisse sind im Vergleich zum Haus an der Zürichstrasse beengter, die heutige «Grunholzer-Stube» gibt aber einen guten Eindruck von der Lebensweise der Zürcher Oberländer Fabrikanten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Grunholzer-Stube ist Teil des Industrielehrpfades Zürcher Oberland und kann auf Voranmeldung besucht werden. 

Das Wohnzimmer der Grunholzers an der Zürichstrasse (Foto Ende 1960er-Jahre)

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